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Öffentlich reden: Erfogreich durch den Fettnäpfchen-Parcours PDF Drucken E-Mail
Montag, 02. Mai 2011 um 11:36
Eine Rede vor Publikum halten zu dürfen, ist immer eine Ehre. Selbstverständlich wollen Sie in so einem Moment auf keinen Fall in ein Fettnäpfchen treten! Doch gerade bei öffentlichen Auftritten sind die Stolperfallen zahlreich. So umgehen sie die Fettnäpfchen:
  • Gute Absprache: Klären Sie mit dem Veranstalter oder dem Gastgeber alle Rahmenbedingungen wie Thema, Inhalte, Dauer, Zielgruppe, Veranstaltungsort, Medien etc. so genau wie möglich ab.
  • Publikumsanalyse: Machen Sie sich Gedanken über Ihr Publikum: Wie ist es zusammengesetzt? Welche Vorkenntnisse sind vorhanden? Mit welchen Erwartungen kommen die Zuhörer - und kommen sie, weil sie das Thema interessiert oder weil sie geschickt wurden?
  • Passende Kleidung: Kleider machen Leute – und zwar unsichtbar, wenn Sie im schwarzen Anzug vor einem schwarzen Hintergrund sprechen! Wählen Sie Ihre Kleidung nicht nur passend zum Anlass, sondern überlegen Sie auch, wie sie mit dem Ort Ihres Auftritts harmoniert.
  • Keine Nachlässigkeiten: Seien Sie penibel mit Ihrem Äußeren. Kaum etwas lenkt so sehr von der Rede ab wie ein falsch geknöpftes Hemd oder eine schlecht gebundene Krawatte.
  • Kein Alkohol: Auch wenn es Sie noch so sehr beruhigt – verzichten Sie vor der Rede auf Alkohol oder Beruhigungstabletten. Wenn Sie unter Lampenfieber oder Redeangst leiden, investieren Sie lieber in ein gutes Rhetoriktraining!
  • Korrekte Reihenfolge: Wenn Sie als Redner die Ehrengäste begrüßen, ist die absteigende Rangfolge Pflicht – der höchste Ehrengast wird zuerst genannt. Außerdem richtet sich die Reihenfolge – bei gleichem Rang – nach folgenden Regeln: Ausländer vor Einheimischen, Mandatsträger vor Amtsträgern (also gewählt vor ernannt), Damen vor Herren, Alter vor Jugend, Fremde vor Vertrauten (auch die Mitarbeiter Ihres Unternehmens sind bei einer Betriebsfeier „Mitgastgeber“), enge Beziehung zum Veranstaltungsanlass vor entfernter Beziehung. (Im Zweifel fragen Sie sich: Wer könnte beleidigt sein? Dies ist laut dem ehemaligen Protokollchef des Bundespräsidenten, Horst Arnold, die beste Möglichkeit, hier nicht ins Fettnäpfchen zu treten.)
  • Richtige Anrede: Ob Sie als Redner Ihr Publikum und die Ehrengäste korrekt ansprechen, ist entscheidend für einen guten ersten Eindruck. Wählen Sie die richtige Anrede und Ihre Zuhörer werden Ihnen wohl gesonnen sein, denn sie sehen, dass Sie die Regeln kennen und das Publikum wertschätzen. Erkundigen Sie sich ggf. beim Veranstalter oder fragen Sie beim Vorzimmer des Ehrengastes nach, welche Anrede korrekt ist. So ist z.B. die Anrede für „Baron“ „Freiherr“ oder für „Prof. Dr.“ nur „Professor“ - und statt „Gattin“ ist „Frau“ die angemessene Anrede.
  • Angemessene Wortwahl: Der Ton macht die Musik! Versetzen Sie sich in die Rolle Ihrer Zuhörer und überlegen Sie, ob diese die Formulierung, die Sie gewählt haben, ebenfalls verwenden würden. Und – auch wenn es höflich klingt: Verzichten Sie möglichst auf indirekte Formulierungen wie „Ich darf Sie begrüßen“ - das schmälert die Wirkung Ihrer Rede und den Spaß am zuhören. Überlegen Sie, ob so saloppe Ausdrücke wie „cool“,  Fremd- oder Fachwörter, Abkürzungen und Zitate in Fremdsprachen ohne Übersetzung in Ihre Rede passen und vom Publikum verstanden werden.
  • Redezeit einhalten: Eine gute Rede wird nicht besser, indem sie länger wird! Besonders dann, wenn die Zuhörer stehen oder auf ein Essen warten. Überstrapazieren Sie nicht die Geduld Ihres Publikums - halten Sie es lieber mit Luther: „Tritt fest auf, mach's Maul auf, hör bald wieder auf.“


Sie haben es erfolgreich durch den Fettnäpfchen-Dschungel geschafft und Ihre Begeisterung für das Reden vor Publikum entdeckt? Dann wünsche ich Ihnen für Ihren nächsten Auftritt viel Erfolg!

 

Dieser Artikel von Sarah T. P. Andiel ist auch erschienen im Magazin Wirtschaft der IHK Stuttgart, Ausgabe 04/2011 - als PDF öffnen

 

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